Präsentationen unserer Partner

Freitag

Makrele geht aus - 2. Ausgabe



Barhopping

von Patrick D.

Einen Abend voller Alkohol in Worte zu fassen, ist eine Aufgabe, die auch ohne Blackout schwer genug ist. Wer fragt sich um 5 Uhr morgens nicht auch, wo die Zeit und das Geld, manchmal auch seine Mitstreiter an diesem Abend, geblieben sind. Da hilft es nur noch, jede Bar auf dem Hamburger Berg abzuklappern. Da findet man zwar nicht Zeit und Geld, jedoch seine Freunde wieder. 
An diesem Abend war das nicht so. Arne und Andrés, Freunde aus meiner Heimat Köln sind zu Besuch. Wir beginnen den Abend wahlweise mit Bier, Wein, Vodka-Red Bull und Vodka-Maracuja. Wir gehen früh los, da wir seit der “Sportschau” trinken. Ab in den Sommersalon. Arne und Andrés trinken Gin Tonic ich Vodka-Bull. 

Mein Besuch ist in einer Stimmung, die ich in Hamburg nicht mehr verspüre. 

Das Gefühl in einer fremden Stadt saufen zu gehen. Keiner kennt Dich, Du fühlst Dich frei und unbelastet, triffst keine Exfreundin oder Leute, denen Du schon beim ersten Kontakt hättest sagen sollen, daß Du Dich nicht mit Ihnen unterhalten möchtest. Auf jeden Fall sind sie dadurch leicht davon zu überzeugen, halbstündlich einen Kurzen zu trinken. Arne Vodka, Andrés und ich Jägermeister. Enthemmt, wie wir sind, steuern wir die Tanzfläche an und schließen neue Bekanntschaften. “Ja, Hamburg”. ”Und Du?”. “Auch, aha!”. “Nein, Freunde aus Köln”. ”Kieztour”. ”Kukuun, Pudel, Hamburger Berg”. “Dann sehen wir uns bestimmt später”. “Klar, wenn ich Dich wiedererkenne” denk ich mir. 
Im Kukuun ist es angebracht, Cocktails zu trinken. Wir ordern Mai Tai, Flying Kangaroo und Sex on the Beach. Das Publikum ist anders als im Sommersalon, die hübschen Frauen sind 4-5 Jahre älter und die Konversation darf sich hier nicht auf Belanglosigkeiten beschränken. Uns fällt es leicht, interessante Unterhaltungen zu beginnen. Zumindest hauen die Frauen nicht ab. Aber wir. Schließlich müssen wir zum Golden Pudel Club, Pflichtbesuch meiner Hamburg Besucher. Durchgerockt charmanter Laden mit günstigen Getränken. Die beiden Gin-Tonic ich Vodka-Red Bull. Wir bezahlen abwechselnd und sind uns nach irgendeiner Runde nicht mehr sicher, wer als nächstes dran ist. Die beste Möglichkeit, um das herauszufinden, ist ein grober Überblick über die finanziellen Verhältnisse.


Arne hat mal wieder das meiste Geld, also muss er. So leicht geht das. Mittlerweile hab ich keine Lust mehr, mich zu unterhalten. Da spricht einen auch niemand an. Denn wer mit geschlossenen Augen tanzt, sendet nicht Signale aus, die den Anschein erwecken könnten, man habe Lust sich zu unterhalten.
“Haste ma ne Kippe?”. Ich schrecke auf, vergesse mich zu übergeben, zünde stattdessen zwei Zigaretten an. “Danke”. Ich stecke die Packung in die Innentasche, um zu verhindern, daß diese in nullkommanix leergeschnorrt wird. 
Arne und Andrés gefällt es hier. Sie tanzen, lachen, unterhalten sich und genießen das Gefühl, in einer fremden Stadt zu feiern.
Zeit ein paar Kurze zu holen. Das Übliche. Woher sollte ich wissen, daß die beiden Mädels auch was trinken wollen? Arne geht los, jetzt hab ich eine an der Backe. Ich weiß, wie voll es an der Bar ist und mit der Gewissheit, daß Arne länger braucht, nick ich in Richtung Toilette und gehe. Bevor ich das WC verlasse, rufe ich ganz laut: ”Macht die Tür auf, Security” Die beiden Personen, die verräterische Drogenkonsum-Geräusche im abschließbaren Teil der Männertoilette gemacht haben, werden sich bestimmt erschrocken haben. Hehe! Wer wird da jetzt wohl rauskommen? Der ”haste mal ne Kippe” Typ plus Anhang! Ihr habt aber lang gebraucht, um euch da rauszutrauen. Wer die beiden sieht, weiß Bescheid. 

Anfängerfehler. Ich sage dem “hast mal ne Kippe-Typ”, er soll sich mal die Nase saubermachen, obwohl da gar nichts is’. “Weiter rechts”. Meine Stimme hat er nicht erkannt. Ich lache innerlich. So erschrocken, wie der guckt. Ich frage ihn ob er ne Kippe hat. Kann mich kaum beherrschen. Den Moment, wo das Licht angeht konnte ich noch nie leiden. Ich frage die beiden Mädels, ob sie noch mit uns auf den Hamburger Berg wollen und wir bestellen bei Jule.

Das Exsparr ist die erste Station auf dem Hamburger Berg. Hier fang ich immer an, mir Lieder zu wünschen. Ich bin nicht unverschämt und frage nach Songs, die zum Musikstil passen, den der DJ gerade auflegt. Dann studiere ich das Balzverhalten diverser Männer mit der Erkenntnis, daß es besser ist, um diese Uhrzeit nur noch nett zu grinsen. Ein Typ mit dem Aufdruck “Mannheim” auf dem T-Shirt fragt mich, ob ich was trinken will und hält mir die Verschlusskappe eines Medikaments vor die Nase. In seiner rechten Hand erkenne ich die Verpackung und lese. Nicht zum Verkauf bestimmt. In welcher Apotheke bist Du denn eingebrochen? Er tanzt wie ein Flummi und ich beschließe, sein Angebot nicht anzunehmen. Zeit zu gehen.
In der Barbara Bar arbeitet der Typ mit dessen Freundin ich öfter mal abgestürzt bin. Das hat sie mir aber erst später erzählt. Hoffe mir passiert das nie. Arnes Jacke, Andrés und ich bewegen uns Richtung Bar und versuchen einen Drink zu bestellen. Wo ist eigentlich Arne? Ich sage Andrés, er soll hier bleiben, ich geh Arne suchen. Roschinsky, Lunacy, Sorgenbrecher, Exsparr, er ist nicht zu finden. Hoffentlich hat er sich meine Adresse gemerkt. Wir vergessen Arne und bestellen zum Longdrink vernünftigerweise ein Glas Leitungswasser und zwei Kurze. Daß wir uns immer noch unterhalten können, grenzt an ein Wunder. Oder verstehen wir beide uns nur noch? Die Frauen bleiben zumindest nicht mehr. Zeit zu gehen. Eine der letzten Möglichkeiten, um diese Uhrzeit sind die Frühclubs.
Der Türsteher fragt uns, ob wir Drogen dabeihaben. Wir sagen nein und werden trotzdem gefilzt. Auf der Toilette macht es nicht den Eindruck als hätte er alle durchsucht. Vor der abschließbaren Kabine bildet sich eine Schlange, obwohl keiner alleine in diese reingeht. Pinkeln ist hier Nebensache. Wir versuchen Arne anzurufen, seine Jacke vibriert. Um 11 Uhr morgens klingelt es an meiner Tür. Arne kommt rein, ich fange an zu lachen und eine halbe Stunde später lachen wir immer noch. Er weiß nicht mehr, wo er war, doch aus den Knutschflecken auf seinem Hals und den Betrag, den er fürs Taxi bezahlt hat, können wir ableiten, daß er bei einer Frau im Umkreis von ca. 5 km war. Wenigstens meine Adresse weiß er noch. Gute Nacht.

Montag

Makrele denkt II - 2. Ausgabe

von Affen und Menschen
gehört und niedergeschrieben von Grit

DIE AFFENPARABEL
Man nehme einen Käfig voller Affen, gleich welcher Art und welchen Geschlechtes.
Dieser Käfig sollte über eine sehr hohe Decke verfügen, da unser kleines Experiment sonst nicht funktionierte.
Nun binde man eine herrlich leckere Bananenstaude an die Decke des Käfigs.
Unter dieses verführerische Mahl stelle man eine Leiter, mit deren Hilfe die Staude knapp erreicht werden kann.
Als nächstes warte man ab, bis der erste Affe sich die Leiter hinauf wagt (dies wird nicht allzu lange dauern).
Sobald unser mutiger erster Affe das obere Ende der Leiter erreicht hat, greife man zu einem Wasserschlauch, welcher über genügend Druck verfügt, um besagten Affen von der Leiter zu pusten. Ist dies erledigt, mache man auch alle übrigen Affen naß.
Diesen Vorgang wiederhole man so oft, bis folgende Verhaltensänderung auftritt: Irgendwann – nach dem 2. oder 3. Mal – werden die Affen den Zusammenhang zwischen einem hochkletternden Artgenossen und der unangenehmen Näße, welche sie alle trifft, begriffen haben und die Leiter nicht mehr erklimmen wollen.
Nun setze man einen „frischen“ Affen in diesen Käfig und nehme einen der Erfahrenen heraus.  Dieser frische Affe wird, im Gegensatz zu den alten – erfahrenen – Affen, über kurz oder lang versuchen an die Bananen zu gelangen.
Um neuerliches Naßwerden zu verhindern, wird unseren alten nur eines übrig bleiben: das frische Äffchen gehörig zu verkloppen, damit es ihnen durch seine Unbedarftheit und Unwissenheit nicht eine kalte Dusche einbrockt.
Auch diesen Vorgang wiederhole man: alter Affe raus, neuer Affe rein, warten bis der Neue an die Bananen will und Kloppe beobachten.
Bei der Wiederholung wird einem auffallen, das der 1. frische Affe es den anderen gleichtut und seinen neu hinzugekommenen Artgenossen ebenso verdrischt, wie alle anderen.
Man wiederhole dies nun so oft, bis der letzte alte Affe ausgetauscht ist und warte ab.
Der zuletzt hinzugekommene frische Affe wird nun ebenfalls versuchen an das leckere Mahl unter der Decke zu gelangen und die restliche Affenbande wird ihm gehörig was verpassen, obwohl keiner der Affen wirklich weiß warum, da sie die Konsequenz dieser Handlung ja nie selbst zu spüren bekamen.
Könnte man diese Affen nun fragen, warum sie so handeln, erhielte man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit folgende Antwort:
WEIL WIR DAS SCHON IMMER SO GEMACHT HABEN!

klingt irgendwie beunruhigend vertraut....

Makrele mixt - 2. Ausgabe


Das Barleuteportrait

Bilder: Olaf Deharde und Klaudia

1. Name: Veronica.
2. Alter: 27.
3. Familienstand: Ledig, aber mit Mann.
4. Ursprünglicher Beruf: Ergotherapeutin, aber da hat der richtige Arbeitsplatz und die Motivation gefehlt.
5. Wo arbeitest Du? Daheim im Komet.
6. Wieviel Alkohol kannst Du vertragen? Ich kann viel vertragen, wenn nötig und wenig, wenn notwendig.
7. Wie groß ist Dein Schlafpensum? 8 bis 9 Stunden.
8. Was würdest Du nie trinken, verkaufst Du aber oft? Helga, Hans und Heino und Lakritz-Schnaps.
9. Wie hoch war der größte Alkoholkonsum eines Gastes an einem Abend? Und wie hoch war die Zeche? Whiskey, Bier, Vodka für um die 80,- Euro. Ein Gast.
10. Prominentester Gast? Begeisternd: Sven Regener. Dagewesen, aber egal: Ville Valo.
11. Blödester Spruch von Gästen? "Schätzchen, ich hol dich hier raus!"
12. Wieviele Stunden dauerte Deine längste Schicht? Die dauerte von 14.00 Mittags bis nächsten Morgen um 9.00.
13. Was war Dein schlimmstes / lustigstes Erlebnis? Das schlimmste war, als Laufkundschaft Stammgäste verprügelt hat. Das lustigste war, als, auf Zuruf „Raupe“, sämtliche Gäste und Personal ihre Hemden auszogen und die Frauen in BH’s und die Männer oben ohne von über die Theke, auf die Barhocker, zu den Tischen krochen (sich auf Händen und Knien beim Vordermann an den Fesseln festhaltend). Unterwegs fielen die Hälfte von Hockern und Tresen. Kann man sich ja vorstellen oder nachstellen.
14. Was nervt am meisten an dem Job? Unvorbereiteter Arbeitsplatz, sprich; nicht aufgefüllter Kühlschrank und Klugscheissergäste.
15. Warum machst du den Job? Wegen der Familie.
16. Wen hättest du gerne als Gast? Den Duffman, Wonderwomen und Elvis und Lemmy von Motörhead auch.

Makrele feiert - 2. Ausgabe

Gaststätte "Zum Silbersack"

von Andy
Bilder: derklaus und Olaf Deharde


Der Silbersack ist wohl die älteste St. Pauli-Seemannskneipe, die heute noch funktioniert. Kein zweites Stück altes St. Pauli, das noch so lebendig ist. Seit der Eröffnung 1949 steht Inhaberin Erna Thomsen hinter dem Tresen, inzwischen 84-jährig hat sie den Laden jeder Zeit voll im Griff. Sie hat den Silbersack nach dem Krieg auf einem Trümmergrundstück aufgebaut und durch alle Höhen und Tiefen der Kiezgeschichte gesteuert. Die Tage, als Hans Albers hier betrunken die Zeche prellen wollte, sind zwar schon ein bißchen her, aber viel hat sich nicht verändert. Der Laden sieht noch ziemlich genau so aus, das bunte Treiben ist dasselbe, nur die Menschen sind andere, überwiegend. Heute kommt Ulrich Tukur (bezahlt allerdings).





Der Laden hat jeden Trend, jede Mode an sich vorbei ziehen lassen, bis er selbst zum Kult wurde. Schlichte Holztische zu Reihen zusammen geschoben, hölzerne Sitznischen, Steinfußboden, an den braunen Wänden alt-hamburgische Malereien, der niedrige Tresen mit „Reling“ zum Festhalten, darauf das große Sparschwein in dem Erna für die Kinder von St. Pauli sammelt. Die Musik kommt seit jeher aus der Jukebox, überwiegend Schlager und maritimes Liedgut, nur gelegentliche  Konzessionen an die Welt der englischsprachigen Musik. Solide Preise, man trinkt Astra aus der Flasche zu 1,90. Für die Damen gibt’s schon mal n Pony (Piccolo Fläschchen Sekt).

Das gastronomische Konzept funktioniert seit fast 60 Jahren praktisch unverändert. Dabei ist jeder Silbersackabend anders, man weiß vorher nie, was man erlebt, nur dass man was erleben wird. Freitag/Samstag herrscht pralles Leben. Das Licht ist hell, fast wie ein Spot, der auf alle gleichzeitig fällt. Der Umgangston ist rauh, aber charmant. Hier gibt es kein unbeteiligtes cooles Rumstehen, man ist in Bewegung, es wird getanzt, enges Gewühl, man kommt sich näher, fast zwangsläufig.  
Nirgendwo in Hamburg ist die Kontaktschwelle niedriger, ohne daß es unangenehm ist. Jeder spricht mit jedem. Nirgends ist die Publikumsmischung breiter und wilder, vom St Paulianer Habenichts bis zum Bürgermeister, Schauspieler,  Szenepublikum, Touristen, FC St. Pauli Anhänger, Junggesellinnenabschiede, jedes Alter, immer eine Mischung aus Neulingen und Veteranen. Wer lange genug bleibt, bleibt nicht allein. Nach dem fünften Astra verschwimmen die meisten Gegensätze.

Wird doch mal jemand verhaltensauffällig, bekommt er von Erna klare Hinweise. Kein noch so betrunkener Rabauke, den sie nicht im  Zweifel an den Ohren zur Tür befördern würde. Erna ist das Herz und die Seele des Ladens. Sie kennt ihre Gäste und sie sind ihr wichtig.
Obwohl Erna über die Jahrzehnte alles gesehen, jeden Spruch und jede traurige Geschichte gehört hat, hört sie immer noch zu, nüchtern und gelassen, aber auch mit echter Anteilnahme.  Sie ist das Oberhaupt der großen Silbersackfamilie, eine Art Queen Mum vom Kiez. Wer von ihr zum ersten Mal mit Namen begrüßt wird und wortlos sein Stammgetränk hingestellt bekommt, hat seinen Ritterschlag erhalten.

Makrele guckt III - 2. Ausgabe

"Endstation Sehnsucht" im St.Pauli Theater

von Ilona Kira

Yo! Im wahrsten Sinne des Wortes die Endstation des Schauspiels. Sind wir nun endgültig in dem Zeitalter angekommen, in dem die Kunst des Schauspiels der Kunst des Geldeinnehmens gewichen ist? Wohl wahr!

Was ich an diesem Abend im St. Pauli Theater, welches ich im Übrigen sehr schätze, geboten bekam, war weit entfernt von einem gut inszenierten Schauspiel, das einem Tennessee Williams gerecht geworden wäre.

Mal abgesehen von Ben Becker, dessen persönliche Präsenz der Rolle den Charakter verlieh und es ihm einfach machte, sie zu füllen, spielte dort jedes Ensemblemitglied einsam in seiner eigenen Welt vor sich hin und machte es dem geneigten Zuschauer schwer, dem Handlungsablauf zu folgen. Es irritierte sowohl den, der das Stück kannte, als auch den, der es nicht kannte.

Nun sind wir es ja mehr oder weniger gewohnt, daß Regie und Dramaturgie einem Stück so ihre eigenen Profilneurosen verleihen, hier jedoch wurde sogar die Kunst der Operette bemüht, um Handlungen und Situationen darzustellen, weil die Kreativität offensichtlich nicht ausreichte, Monologe und Dialoge auf ein beschränktes Bühnenbild zu bringen.

Auftritte wurden nach rechts ins Publikum gespielt, obwohl der Anspielpartner auf einem Balkon zu linken parlierte.

Haben wir nun nach der "Farce" auch noch die Abteilung "skurril" geöffnet? Schwer gewöhnungsbedürftig. Sind wir dies doch eher aus der Abteilung "Operettenrückblick" mit Anneliese Rothenberger gewohnt.

Die Kostüme wirkten ähnlich wie ihre Träger ein bunter Mix aus den Jahrzehnten – jedes für sich ein gutes Stück, zusammen jedoch ein Secondhand-Laden.
Nun denn, im obersten Rang jedenfalls herrschte aufgrund der aufsteigenden Raumhitze mehr Südstaaten-Klima als auf der Bühne.

So mancher Zuschauer war froh, als mit dem Rausschmiss der Blanche auch die Endstation für diesen Abende erreicht war.

Schade, denn die eigentlich feine Botschaft des Stückes blieb so manchem - aufgrund der Bemühungen folgen zu wollen - verborgen. Der Konflikt, welcher entsteht, wenn sich die Stände vermischen und nicht in der Lage sind, miteinander zu kommunizieren.
Wenn Frauen aus ihrer misslichen Lage nicht lernen und sich über den nächsten Mann wieder ans Licht hangeln möchten, wird das Leben mehr eine einzige ENDSTATION denn ein lebendiger Bahnhof.

Makrele Paragraph - 2. Ausgabe

Gesetz zur Einführung eines Alkoholverbots für Fahranfänger und Fahranfängerinnen

Vom 19. Juli 2007

Der Bundestag hat das folgende Gesetz beschlossen:

Artikel 1
Änderung des Straßenverkehrsgesetzes
Das Straßenverkehrsgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 5. März 2003 (BGBl. I S. 310, 919), zuletzt geändert durch Artikel 1 der Verordnung vom 6. Juni 2007 (BGBl. I S. 1045), wird wie folgt geändert:
1. Nach § 24b wird folgender § 24c eingefügt:„§ 24c Alkoholverbot für Fahranfänger und Fahranfängerinnen
(1) Ordnungswidrig handelt, wer in der Probezeit nach § 2a oder vor Vollendung des 21. Lebensjahres als Führer eines Kraftfahrzeugs im Straßenverkehr alkoholische Getränke zu sich nimmt oder die Fahrt antritt, obwohl er unter der Wirkung eines solchen Getränks steht.
(2) Ordnungswidrig handelt auch, wer die Tat fahrlässig begeht.
(3) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße geahndet werden.“
2. In § 26 Abs. 1 Satz 1 wird die Angabe „§ 24a“ durch die Angabe „den §§ 24a und 24c“ ersetzt.
3. In § 26a Abs. 1 Nr. 2 und in § 28a Satz 1 wird jeweils die Angabe „§§ 24 und 24a“ durch die Angabe „§§ 24, 24a und § 24c“ ersetzt.
4. In § 28 Abs. 3 Nr. 3, § 36 Abs. 2 Nr. 1 Buchstabe b und Nr. 1a sowie in § 40 Abs. 2 Nr. 2 wird jeweils die Angabe „§ 24 oder § 24a“ durch die Angabe „§§ 24, 24a oder § 24c“ ersetzt.

Artikel 2
Änderung der Fahrerlaubnis-Verordnung
Die Fahrerlaubnis-Verordnung vom 18. August 1998 (BGBl. I S. 2214), zuletzt geändert durch Artikel 2 der Verordnung vom 6. Juni 2007 (BGBl. I S. 1045), wird wie folgt geändert:
1. Dem § 13 wird folgender Satz angefügt:
„Im Fall des Satzes 1 Nr. 2 Buchstabe b sind Zuwiderhandlungen, die ausschließlich gegen § 24c des Straßenverkehrsgesetzes begangen worden sind, nicht zu berücksichtigen.“
2. In § 36 Abs. 1 und 2 sowie in § 43 wird jeweils die Angabe „§ 24a“ durch die Angabe „den §§ 24a, 24c“ ersetzt.
3. In § 59 Abs. 4 Satz 1 Halbsatz 2 wird die Angabe „den §§ 24 oder 24a“ durch die Angabe „den §§ 24, 24a oder § 24c“ ersetzt.
4. Abschnitt A der Anlage 12 wird wie folgt geändert:
a) In Nummer 2 wird die Angabe „§§ 24 und 24a“ durch die Angabe „§§ 24, 24a und 24c“ ersetzt.
b) In Nummer 2.3 wird die Angabe „§ 24a“ durch die Angabe „§ 24a oder § 24c“ ersetzt.
5. In Anlage 13 wird nach Nummer 6 folgende Nummer 6.1 eingefügt:
„6.1 in der Probezeit nach § 2a des Straßenverkehrsgesetzes oder vor Vollendung des 21. Lebensjahres als Führer eines Kraftfahrzeugs im Straßenverkehr alkoholische Getränke zu sich genommen oder die Fahrt angetreten, obwohl er unter der Wirkung eines solchen Getränks stand“.

Artikel 3
Änderung der Bußgeldkatalog-Verordnung
Die Bußgeldkatalog-Verordnung vom 13. November 2001 (BGBl. I S. 3033), zuletzt geändert durch Artikel 11 der Verordnung vom 25. April 2006 (BGBl. I S. 988), wird wie folgt geändert:
1. In § 1 Abs. 1 Satz 1 wird die Angabe „§§ 24 und 24a“ durch die Angabe „§§ 24, 24a und 24c“ ersetzt.
2. In der Anlage werden nach Nummer 242.2 folgende Überschrift und Nummer eingefügt:
Lfd.Nr
Tatbestand
StVG
Regelsatz in Euro (€),
Fahrverbot in Monaten
243 „Alkoholverbot für Fahranfänger und Fahranfängerinnen in der Probezeit nach § 2a StVG oder vor Vollendung des 21. Lebensjahres als Führer eines Kraftfahrzeugs alkoholische Getränke zu sich genommen oder die Fahrt unter der Wirkung eines solchen Getränks angetreten § 24c Abs. 1 und 2 125 €“.

Artikel 4
Änderung des Güterkraftverkehrsgesetzes

In § 12 Abs. 6 Satz 1 Nr. 4 des Güterkraftverkehrsgesetzes vom 22. Juni 1998 (BGBl. I S. 1485), das zuletzt durch Artikel 295 der Verordnung vom 31. Oktober 2006 (BGBl. I S. 2407) geändert worden ist, wird die Angabe „§ 24a“ durch die Angabe „§ 24a oder § 24c“ ersetzt.

Artikel 5
Inkrafttreten
Dieses Gesetz tritt am 1. August 2007 in Kraft.

Die verfassungsmäßigen Rechte des Bundesrates sind gewahrt. Das vorstehende Gesetz wird hiermit ausgefertigt. Es ist im Bundesgesetzblatt zu verkünden.


Berlin, den 19. Juli 2007


Der Bundespräsident Horst Köhler
Die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel
Der Bundesminister für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung W. Tiefensee

Freitag

Makrele kocht - Essen mit: Benny Adrion - 2. Ausgabe



Benni Adrion: Initiator von Viva con Agua de Sankt Pauli, Wasserverbesserer, Mittelfeldstürmer und definitiv ein Gutmensch.

Bilder: Olaf Deharde
Interview: Kerstin Schreier

Gericht: Pizza Mediterrana, denn „wer die probiert, wird sein Herz verlieren,“ weiß der Pizzaservice. Bis es soweit ist, vergreife ich mich an der Vorspeise.
Zutaten: Geld, Telefon, Hunger und ganz wichtig: Keine Zeit!!
1. Stichwort helfen: warum? Helfen ist wichtig. Jeder Mensch hat die Möglichkeit, positive Impulse zu setzen und sollte dies auch tun.
2. Ist die Welt zu retten? Ja, glaub schon. Die ganzen Umweltkatastrophen, Klimawandel und so weiter, das ist die logische Quittung für Ignoranz und Ausbeutung der Menschen. Wir müssen die Entwicklung umlenken, eine neue Ordnung schaffen.
3. Was braucht die Welt? Sauerstoff, sauberes Wasser und einen Haufen nette Menschen.
4. Bist du ein netter Mensch? Mal mehr, mal weniger, aber auf dem Weg. Manchmal vielleicht zu verwirrt.
5. Glaubst du? Nein. Ich bin auf der Suche, würde ich sagen. Ich kann viel mit dem Buddhismus anfangen und bin ein Freund von Erfahrungsreligion, d.h. Erkenntnisse zu erlangen durch ein Verstehen von Zusammenhängen.
6. Was steht bei Viva con Agua de Sankt Pauli zukünftig an? Das neue Projektgebiet von Viva con Agua ist das Millenniumsdorf Base-Kiryango- Tal in Ruanda. Die Finanzierung für die Verbesserung der Trinkwasserversorgung läuft und wir planen im Januar 2008 nach Ruanda zu fliegen, um die Quelleinfassungen vor Ort zu begutachten. Desweiteren sind diverse Spenden- Aktionen geplant, um auch die anderen Millenniumsdörfer z. B. in Asien und Lateinamerika unterstützen zu können.
7. Es wird weltlich: Warum kannst du nicht kochen? Meine Mama hat gekocht oder meine Oma. Essen gab es einfach. Da bin ich vielleicht zu wenig einbezogen worden. Ich würde gerne kochen können und bin auch ein hilfsbereiter Zuarbeiter beim Schnibbeln.
8. Wer soll es Dir beibringen? Das übernimmt mein peruanischer Mitbewohner. Der bringt mir erst spanisch, dann kochen bei. Gestern zum Beispiel war unser Kühlschrank so leer, daß ich nicht wusste, wie ich daraus ein Resteessen zaubern sollte. Wenig später überraschte mich mein Mitbewohner mit einer Camembert-Mirabellen- Kreation an paprikagepuderten Frischkäsewolken. Lecker! Und ich hab’ da einfach nichts gesehen im Kühlschrank.
9. Was macht einen guten Pizzaservice aus? Wenn die Pizza geschnitten geliefert wird, ohne daß man vorher darauf hinweisen muss.
10. Deine Lieblingspizza? Och, ich mag eigentlich viele. Früher, als ich noch klein war, habe ich immer Pizza Hawaii gegessen.
11. Scharf , süß oder salzig? Erst scharf, dann süß (ein bärtiges Grinsen) oder erst süß dann scharf? Ach, alles zu seiner Zeit.
12. Wie schmeckt Afrika? Kenn’ ich noch nicht gut genug. Gerüche, Geschmack, Landschaft, Farben, einfach die ganze Kultur ist so vielfältig und alles so riesengroß.
13. Dein Lieblingsrestaurant auf St.Pauli? Mr. Kebab.

Die Pizza kommt. Ungeschnitten, aber ich habe mein Herz dennoch verloren. Dem Pizza-Boten sei Dank. Olaf hat schlimmes Rumoren. Das geht gerade rum. Wir stoßen auf den Magen-Darm-Trakt des Fotografen an und hoffen, daß jeder Bissen drin bleibt.

Weinempfehlung von Benny Adrion: 2003 Rosso Piceno DOC Cimarelli
Sponsored by: König&König

Makrelendiskurs - Liest du noch oder hörst du schon? - 2. Ausgabe


von Sonja Berger

Lesen tut man an sich meist allein, auf dem Sofa oder im Bett. Manche Menschen sind aber
auch Hörbuchfanatiker und verbringen ganze Abende mit Hör-CDs von "Harry Potter" Teil I-VII oder den "drei ???" und räumen zeitgleich die Bude auf oder ähnliches.
Man kann aber auch mit ganz vielen fremden Menschen irgendwo zusammensitzen und sich
live vorlesen lassen – das nennt man Lesung – und so etwas kann man zum Beispiel im Pudel
Salon besuchen. Eine modernere und eventhaftere Variante der Lesung ist ein Poetry Slam.
Zu deutsch: Dichterwettstreit. Jeder kann sich mit einem eigenen Text für den Slam anmelden
und hat während der Veranstaltung etwa 5 Minuten um sich mit Vortrag und Performance vor gut 200 Leuten bis auf die Knochen zu blamieren oder feiern zu lassen. Für diese aus den USA stammende Abendbeschäftigung gibt es ein ausgefeiltes Regelwerk für die Bewertung von Text und Vortragsweise der mutigen Teilnehmer durch Publikum und Jury und alles soll sehr lustig sein, sagt meine Freundin
Silvija. Sie hat mich dann auch mitgenommen ins Molotow zu meinem ersten Poetry Slam, den
gibt es da einmal im Monat. Aber irgendwie war das dann nicht so lustig. Im Molotow ist man nämlich drauf gekommen, daß mehr Leute auch mehr Geld einbringen und noch mehr Leute, noch mehr Geld. Klingt gut?
Ist für den Besucher aber keine Freude. Die Schlange reichte vom Molotow-eingang bis vor das Panoptikum. Muß ich mehr sagen? Wer das Molotow kennt, ahnt die Ausmaße. Drin war schnell klar, der Donald Duck Stempel auf der Hand war seine 3,50 nicht wert. Für Menschen
unter 1,78 ist die Veranstaltung generell nicht zu empfehlen bei dem Andrang und die Lüftung macht ihren eigenen Slam, weniger poetisch, aber effektiver als der Mensch am Mikrophon.
Wobei ich auch das nicht beurteilen kann, da ich nur drei Worte deutlich verstanden habe: Schwangerschaft, Unlust, Ehefrau. *ich möchte mich an dieser Stelle weiterer Kommentare enthalten*
Besser war eindeutig in der Woche davor Jens Raschke mit seiner Lesung: "Disco Extravaganza feat. Sitzdisco!" im Pudelsalon.
Da bin ich ehrlich gesagt ganz zufällig gelandet und es war richtig gutes Ambiente für eine
Lesung. Ein schöner, großer Holztisch, eine urige Schreibtischlampe und ein sehr präsenter Autor, der vor einem wundervollen Hafenpanorama saß. Alles durchfenstert auf der Seite
nämlich. Nicht immer da, aber an diesem Abend sehr schön anzusehen, ein voll beleuchtetes Kreuzfahrtschiff als Kulisse für den Lesenden.
Von der Lesung konnte ich leider nur eine Sequenz verfolgen – da mein Begleiter weiter wollte – und ich habe definitiv zu wenig gehört, aber es war sehr unterhaltsam. Es ging um einen jungen Schweden, der am Computer zu Hause schlechte Iron Maiden Covers einsingt und als Anton Maiden Karriere macht bis er von den echten Fans kaputt gehaßt wird. Der Autor hatte auch einen besungenen Tonträger von dem angeblichen Anton Maiden auf Band dabei. Grausam. "Da geh ich wieder hin", dachte ich zum Abschied.
Ein paar Tage später google ich den Pudel Salon und Raschke und bin doch wirklich erstaunt. Da steht: „Was haben Captain Kirk, eine Lady aus Hongkong, Amerikas erster Hippie, Miss St. Louis 1926, der Gründer der Satanskirche, ein israelischer Gabelbieger und eine Horde kanadischer Schulkinder gemeinsam? - Sie alle haben mindestens einmal in ihrem Leben einen Tonträger aufgenommen, der fernab von allem liegt, was der durchschnittliche Konsument für gewöhnlich unter dem Begriff "Musik" versteht. … Der Soundforscher Jens Raschke hat die kuriosesten Aufnahmen der Musikgeschichte zusammengetragen und mit den nicht minder ungewöhnlichen Biografien ihrer Macherinnen und Macher garniert.“
Öhm, das war alles echt? Alter Schwede! Andächtiges Schweigen.
Wer jetzt Lust bekommen hat, sich vorlesen zu lassen und dabei Wert auf gute Akustik, freie Sicht sowie Beinfreiheit, statt versperrten Notausgängen, legt, ist im Pudel richtig. Meine Empfehlung ans Molotow und die Veranstalter des Poetry Slam ist: lieber weniger Publikum einlassen und dafür einen Slam mehr im Monat veranstalten.

Makrele errötet - Ernst - 2.Ausgabe


Das Rotlichtportrait
Bilder: Olaf Deharde

1. Dein Name? Ernst.
2. Dein Alter? 40.
3. Dein Familienstand? Nicht verheiratet, aber mit fester Partnerin und bald dem zweiten Kind.
4. Dein ursprünglicher Beruf? Fachreferent für Außenwirtschaft. Aber ich hab kein Bock auf Anzug und Krawatte.
5. Wie bist du dazu gekommen? Meine Frau hat eine Anzeige der Boutique Bizarre im Internet gesehen. Die suchten eine Dessous-Verkäuferin und sie hat gleich gemeint, daß ich das doch machen könne, das muß ja keine Frau machen. Meine fetischistischen Neigungen werden dort visuell befriedigt, und der Laden und ich passen gut zusammen.
6. Wie lange arbeitest du schon dort? Knapp 2 Jahre.
7. Was war dein bisher lustigstes / schlimmstes Erlebnis? Das lustigste ist schon, wenn Kunden kommen, die vorgeben ein Produkt für jemand anderen zu kaufen und sich dann im Gespräch verraten. Das schlimmste war, als eine Kundin einen Vibrator umtauschen wollte und da waren noch Schamhaare dran.
8. Welches ist das meistverkaufte Produkt? Meiner Meinung nach müßte es Gleitgel sein… und Vibratoren.
9. Wie groß ist dein Schlafpensum? Dadurch daß ich im Schichtbetrieb arbeite, etwas ausgewogener. 8 Stunden brauch ich schon.
10. Wieviel Alkohol kannst du vertragen? Bis ich genug hab.
11. Was trinkst du nie? Ziegenmilch, ansonsten alles.
12. Der beste Spruch auf St. Pauli? Der beste Spruch zu St. Pauli ist immer noch Hans Albers „Auf der Reeperbahn nachts um halb Eins…“
13. Wie lange dauerte deine längste Schicht? 16 Stunden hab ich schon mal geschafft.
14. Was erfreut dich an deinem Job? Auf jeden Fall liebe ich die Kommunikation mit den Menschen.
15. Was nervt an deinem Job? Wenn man Leuten ständig erzählen muß, nicht mit Bierflasche, brennender Zigarette oder Essen in den Laden zu kommen.
16. Was gefällt dir auf St. Pauli? Die Liebe der Leute zu ihrem Stadtteil.
17. Wie siehst du St. Pauli in der Zukunft? Da hab ich so meine Bedenken; Glaspaläste, Touristenüberflutung. Mehr Wärme wäre besser.

Makrele guckt II - Altonaer Theater „der Elefantenmensch“ - 2.Ausgabe


von Günther W. Feigl

Es ist eine wahre Geschichte, mit welcher der Autor Bernard Pomerance Weltruhm erlangte:
Der durch eine seltsame Krankheit entstellte John Merrick ist ein intelligenter und sensibler Mann, der sich notgedrungen zum Gelderwerb auf den Jahrmärkten des viktorianischen Londons begaffen lässt. Das sensationslustige Publikum, das sich über Schönheit und Erfolg definierte giert nach dem abstoßenden „Elefantenmensch“.
Als John kaum noch in der Lage ist, sich zu artikulieren und seinen wulstigen Körper zu bewegen, entdeckt ihn ein junger Arzt. Teils aus Mitleid, teils aus wissenschaftlichem Interesse nimmt er den stillen Kranken im Hospital auf. Nach anfänglichen Bedenken der Krankenhausführung wird John bald zur Sensation der feinen und gebildeten Gesellschaft. Sein neuer Stand und Bekanntheitsgrad verspricht Besserung und Anerkennung. Er gewährt Einblicke in sein Wesen und seine Gedanken, um letztlich doch Enttäuschung zu erfahren – bis er seinen eigenen Frieden mit sich schließt.
Gil Mehmert setzt feine Akzente in dieser musikalischen und empfindsam poetischen Inszenierung, er lässt sich nicht verführen den Voyeurismus zu bedienen. Mehmerts Bühne zeigt eine Zirkusarena, ein Vorhang, hinter dem sich die Schauspieler durch minimalistische
Kostümveränderungen verwandeln. Durch Abwesenheit und Vorstellungskraft schafft er einen Elefantenmenschen jenseits reißerischen Ekels. Seine dezente Tonalität verdeutlicht Menschlichkeit in Leid und Sensationslust in einem musikalischen Bilderreigen.


Makrele wünscht - 2. Ausgabe


Makrele guckt I - Fliegende Bauten Hamburg, Musik voller Leidenschaft - 2.Ausgabe


von Günther W. Feigl

Seine Profession ist die Schauspielerei, seine Liebe die Musik.
Gustav Peter Wöhler ist renommierter Schauspieler für Theater, Film und Fernsehen.
Wirklich er selbst ist Gustav Peter Wöhler jedoch als Sänger. Voller Leidenschaft singt er seit seiner Jugend, und eher zufällig folgte Mitte der Neunziger Jahre die Gründung einer eigenen Band. Was sich seither entwickelt hat, ist gleichermaßen eine Geschichte von Freundschaft und höchster Musikalität: Mit den drei phantastischen Musikern Hardy Kayser (Gitarre), Olaf Casimir (Bass) und Kai Fischer (Piano) interpretiert Wöhler in unnachahmlicher Weise seine ganz persönlichen Lieblingslieder.
Die Rock ’n’ Roll- und Popsongs gewinnen in den individuellen, jazzigen Arrangements eine völlig neue Qualität, die weit über übliche Coverversionen hinausgeht.
Die vier Jungs verstehen ihre Musik als Projekt aus Leidenschaft, als Spaß unter vier Freunden.
Diese Ehrlichkeit und diese Freude ist es, was das Publikum spürt und begeistert.
Das neue Programm der Band trägt nun den Titel »true colors« – der sich auf den wunderbaren Song von Cindy Lauper bezieht, der aber doch viel mehr aussagt.
In ihren Arrangements zeigt die Gustav Peter Wöhler Band altbekannte Songs in völlig neuen Farben, in den von ihnen empfundenen; ehrlicher kann man Musik nicht interpretieren.
Und: Das neue Programm wird intimer, tiefgründiger als seine Vorgänger. Mit Titeln von Cindy Lauper oder Joni Mitchell, Charles Aznavour oder Rod Stewart beziehen die vier Musiker sehr bewusst Stellung und gewähren mutig Einblicke in Erinnerungen und Geschichten, die sie mit den Songs verbinden.
In ihrer schnörkellosen Musik sind dies fürwahr »true colors«.

Makrele schimpft - Polizisten am Schreibtisch?! - 2. Ausgabe

von Helmut

Der Vorwurf, die hamburgische Politik treibe nach den jüngsten Messerstechereien auf dem
Kiez blanken Aktionismus, ist sicher zu hart. Die gesellschaftliche Entwicklung zur erhöhten Gewaltbereitschaft vor allem bei jungen Leuten ist nicht typisch für Hamburg, sondern ein
europaweites Phänomen, wenn auch der Kiez prozentual höher liegt als der Durchschnitt.
Ob und wann also die staatstragenden Vorschläge aus den Politiker-Etagen greifen, muß
abgewartet werden. Aber, wie so oft, könnten kleine Maßnahmen ein Problem zumindest lindern. Mit Erstaunen lesen wir von der Überlastung der Polizisten mit Schreibarbeit:
Berichte schreiben! Im Zwei-Finger-Such-System auf der alten Schreibmaschine! Wenn zu bestimmten Uhrzeiten eine Schlägerei auf dem Kiez beginnt, sucht der Einsatzleiter, wie aktuell zu lesen war, verzweifelt nach Polizisten. Seine Beamten sind mit Berichte-Schreiben beschäftigt.
Das hat selbstverständlich Vorrang. Der Innensenator sollte deshalb als ersten Schritt zur besseren Begegnung der Gewalt seinen Personalaufbau überprüfen, wohl auch die technische Ausstattung der Polizei mit modernen Schreibprogrammen, Diktier- und Texterkennungssystemen usw. usw.
Der Polizist gehört auf die Straße, um dort seine befriedende Wirkung zur Geltung bringen zu können. Fürs Schreiben gibt es die Technik und schreiberfahrene Mitarbeiterinnen.
Sicher bringt ein Wechsel vom Beobachten des ruhenden Verkehrs (Knöllchen-Schreiben) in die Schreibstube mehr für die Sicherheit der Stadt.
Also: Etat umschichten!

Makrele erzählt - Herbstkind - 2.Ausgabe


von Magdalena

Sofie traf ich im Bus. Sie war ein kleines, aufgewecktes Mädchen von vielleicht acht
Jahren. Ich kenne Sofie nicht, wir sitzen nur zur selben Zeit im selben Geschehen und
amüsieren uns. Denn genau wie ich, scheint sie das gleiche Busfahrhobby zu haben. Wir
beobachten die Menschen um uns herum. Und Sofie stellte Fragen und ihre Mutter antwortete brav, wie es sich gehört. Was zu weiterem Amüsement meinerseits führte. Am Bahnhof stiegen sie ein, diese zwei Damen, mittleren Alters. Und als sie wieder ausstiegen
schaute Sofie ihre Mutter an. "Mama, was ist Herbstdepression?!" Ihre Mutter sah sich um und ich grinste. Wie soll sie bloß aus der Nummer heraus kommen? Eine weitere ältere Dame mit Ehemann schaute ebenfalls zu Sofie herüber und stieß ihren Gatten an. "Das Wort heißt Depression und das ist, wenn man traurig ist und die Traurigkeit nicht gleich wieder weg geht!" "Ja und wieso geht die nicht weg, die Depression? Und wieso ist das eine Herbstdepression? Mama ist das ansteckend, wie Grippe?" Ich grinste und merkte das Sofie die Sache ernst schien. Ihre Mutter holte aus ihrer Tasche einen Bonbon und gab ihn Sofie.
"Und wieso sind sie so lange traurig, Mama?" "Weil es jetzt nicht mehr so warm ist und es
viel schneller dunkel wird. Die meisten Menschen stehen früh zur Arbeit auf, dann ist es noch dunkel und wenn sie abends nach Hause fahren, ist es ja gleich schon wieder dunkel.
Das heißt also, wenn sie Herbstdepressionen haben, vermissen sie ganz einfach die Sonne. Weil sie die Sonne im Herbst und Winter nicht sehr häufig zu sehen kriegen..."
...Unerwartet schaltet sich die Dame neben ihren Gatten vom Nachbarsitz ein. "Es ist alles grau in grau und Hamburch versinkt wieder in Dauerregen, is' ja typisch nech?"
Ich weiß nicht von wem die Dame eine Antwort erwartet hatte, aber als Sofie den Mund auf
machte, kam ein "Oh, sie haben sie auch, die Herbstdepression?" raus. Ein "Das ist ja unerhört!" kam noch von drüben und Sofies Mutter und ich grinsten uns an. "Warum nehmen die dann keine bunten Blätter mit in die Arbeit oder machen mit ihren Kindern Kastanientiere, so wie wir. Außerdem kann man Kürbismonster machen und endlich wieder Kekse backen.
So wie wir, mit ganz vielen Kerzen an!" Sofie nickte selbstzufrieden. "Und außerdem mag ich es, wenn es draußen kalt ist, daß wir viel mehr kuscheln!" Nun stieß der Ehemann seine Gattin grinsend an und ich stieg mit Kindheitserinnerungen an Kastanientiere und bunten Herbstblättern aus.

Makrele schützt -Carsten Mewes- 2. Ausgabe


Das Sicherheitsportrait
Bilder: derklaus

1. Name? Carsten Mewes.
2. Alter? Hart an der Schallmauer schon drüber. 47.
3. Familienstand? Ledig ... aber stolzer Vater einer erwachsenen Tochter.
4. Dein jetziger Beruf? Ich bin das ausführende Organ meines weiblichen Chefs bei OSD Sicherheitsservice. Wir arbeiten an der Esso-Tankstelle, im kukuun u.v.a.
5. Warum wolltest Du Deinen jetzigen Beruf? Da meine Familie ursprünglich in der Seefahrt tätig war, bin ich auf dem Kiez und dem Fischmarkt groß geworden. Mich hat der Kiez immer fasziniert. In meiner Jugend war vor den Diskotheken die Sicherheit nur unnötig brutale Selbstdarstellung und Projektion. Meine Leidenschaft ist die Kampfkunst, deswegen überlegte ich mir, daß es auch mit Freundlichkeit und Autorität gehen müsste.
6. Wieviel Alkohol kannst Du vertragen? Man sollte meinen, ich vertrage viel, aber da ich meine wilden Jahre hinter mir habe, lehne ich Alkohol heute ab. Alkohol und Drogen stellen einen bloß und man macht Sachen, die man später nur bereuen kann. Daher beantworte ich die Frage mit: NICHTS.
7. Was trinkst du am liebsten? Schwarzen Tee mit Milch, Wasser, manchmal auch Kaffee.
8. Dein tollstes Erlebnis auf St.Pauli? Als ich im Keese an der Tür gearbeitet habe, lief dort auch die eine oder andere Transen- oder Schwulenparty. Schon nach kurzer Zeit hatte ich eine echte Fangemeinde, auch mit deutlichen Zärtlichkeitsbekundungen.
9.Deine längste Schicht? Das glaubt keiner: Hurrican Festival: Freitag 8 Uhr morgens bis Montag morgens. Das ging nur mit Meditation und ganz viel Wasser.
10. Was nervt Dich am meisten an Deinem Job?
Durch die Medien wird immer nur das Extreme nach vorne gehoben. Die Agression, das Durchdrehen, das Schmutzige findet Präsenz. Nirgendwo wird dargestellt, was funktioniert, wo es gut läuft, wo es nett und richtig läuft. Es wird immer nur rumgehackt. Gerade auf den Jugendlichen. Keiner wendet sich den Gründen zu, warum Menschen austicken.
11. Was nervt Dich auf St.Pauli? Daß es unter den St.Paulianern so wenig Offenheit für einen Wandel gibt. Warum bekämpfen sich hier so viele Protagonisten? Es gibt so viele gute neue Ideen und Konzepte und trotzdem ist man hier eher damit beschäftigt, gegeneinander zu arbeiten als miteinander in eine neue Zeit zu gehen.
12. Was gefällt dir auf St.Pauli? Wie der Wandel eingeläutet wurde. Zum Beispiel mit der Architektur. Am Anfang hatte ich Angst, daß zu viel von dem Alten kaputt gemacht wird. Aber die neue Architektur und die Projektumsetzungen sind meines Erachtens richtig und im Guten gedacht. Daß zum Beispiel mit dem Wandel der Kiez eine echte Chance erhält, wirtschaftlich und kulturell zu wachsen. Es gibt einfach so viel zu entdecken. Große, faszinierende Neubauten, Überraschungen in der Kleinteiligkeit im Alten wie im Neuen. Es ist für mich eine Widerspiegelung der alten Zeit mit ganz viel Aufbruchwillen und Potenz.
13. Was muß auf St.Pauli anders werden? Wie derzeit von unserer politischen Führung – damit meine ich Senat, Bezirk und Polizei - mit St.Pauli umgegangen wird. Zum Beispiel die aktuelle Messerkontrolle. Wir haben ausreichende Gesetze. Warum wird nun so viel Aufhebens gemacht? Das verschreckt und verstört eher und führt zu neuen Rissen und Vorurteilen. Damit wird die Gesellschaft weiter gespalten und verstärkt die vermeintlichen Unterschiede.
14. Wie wird St.Pauli in 10 Jahren aussehen? Wenn alle offen sind und bleiben, alle an einem Strang ziehen, dann wird St.Pauli sein altes Flair immer noch haben – aber eben fit genug sein für die nächsten Jahrhunderte.

Grüße aus Stuttgart - 2.Ausgabe

§ 232 Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung - 2. Ausgabe


Vorschrift eingefügt durch das Siebenunddreißigste
Strafrechtsänderungsgesetz - §§ 180b,
181 StGB - (37. StrÄndG) vom 11.2.2005

(1) Wer eine andere Person unter Ausnutzung einer Zwangslage oder der Hilflosigkeit, die mit ihrem Aufenthalt in einem fremden Land verbunden ist, zur Aufnahme oder Fortsetzung der Prostitution oder dazu bringt, sexuelle Handlungen, durch die sie ausgebeutet wird, an oder vor dem Täter oder einem Dritten vorzunehmen oder von dem Täter oder einem Dritten an sich vornehmen zu lassen, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft. Ebenso wird bestraft, wer eine Person unter einundzwanzig Jahren zur Aufnahme oder Fortsetzung der Prostitution oder zu den sonst in Satz 1 bezeichneten sexuellen Handlungen bringt.

(2) Der Versuch ist strafbar.

(3) Auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren ist zu erkennen, wenn
1. das Opfer der Tat ein Kind (§ 176 Abs. 1) ist,
2. der Täter das Opfer bei der Tat körperlich schwer misshandelt oder durch die Tat in die
Gefahr des Todes bringt oder
3. der Täter die Tat gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten
Begehung solcher Taten verbunden hat, begeht.

(4) Nach Absatz 3 wird auch bestraft, wer
1. eine andere Person mit Gewalt, durch Drohung mit einem empfindlichen Übel oder durch List zur Aufnahme oder Fortsetzung der Prostitution oder zu den sonst in Absatz 1 Satz 1 bezeichneten sexuellen Handlungen bringt
oder
2. sich einer anderen Person mit Gewalt, durch Drohung mit einem empfindlichen Übel oder durch List bemächtigt, um sie zur Aufnahme oder Fortsetzung der Prostitution oder zu den sonst in Absatz 1 Satz 1 bezeichneten sexuellen Handlungen zu bringen.

(5) In minder schweren Fällen des Absatzes 1 ist auf Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren, in minder schweren Fällen der Absätze 3 und 4 ist auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren zu erkennen.

Makrele denkt I - Kulturhauptstadt St. Pauli! - 2. Ausgabe



von Andy
Bilder: Olaf Deharde

St. Pauli ist – mal wieder – im Wandel, Ergebnis offen. Die Risiken sind bekannt: Discounter, Billig-Trinkhallen, erhöhte Aggressivität, billiges Massengeschäft, die Attraktivität für Problempublikum, etc..
Langfristig überwiegen jedoch die Chancen. St. Paulis größtes Potential liegt in Kultur und Kreativität. St. Pauli hat das Zeug zu einem einmaligen urbanen kulturellen Zentrum. Das liegt an der Besonderheit des Ortes und seiner Menschen.
St. Pauli steht für Dichte und Vielfalt. Nirgendwo in Deutschland ist die Mischung wilder, existieren mehr unterschiedliche Szenen, Subkulturen, soziale und ethnische Milieus auf engstem Raum. Überall pralles Leben, Dynamik, Lebenshunger, weltberühmt. Prägend für das Lebensgefühl und den Charakter des Stadtteils ist die kleinteilige Mischung aus Wohn- und Gewerbestrukturen. Als urbanes innerstädtisches Quartier zieht St. Pauli zur Zeit viele neue Menschen zum Wohnen und Arbeiten an. Kultur ist auch ein Spiegel des Lebens und davon gibt es auf St. Pauli genug. Beste Voraussetzungen also für den Kulturstandort. Dabei war St. Pauli schon immer Bühne, seine Menschen geübte (Selbst-) Darsteller. Früher wurde auf St. Pauli alles dargeboten, was man innerhalb der Stadtmauern nicht haben wollte. Die Reeperbahn hatte in ihren goldenen Zeiten mehr als 40 Theater, die Live-Musikclubs waren schon in den 60ern bekannt bis nach Liverpool. Inzwischen ist neues hinzu gekommen, kleine Galerien, Kreativunternehmen, Start-Ups aus der Musikwirtschaft, Werbeagenturen, Designstudios, Modeateliers, Musicalschulen, freie Künstler, Internet-Fernsehsender, neue Livemusikclubs, das Reeperbahn-Festival, etc. .
Diese Entwicklung muß gefördert werden und sie braucht ein Zentrum:
Der neue Spielbudenplatz kann das Herz der Kulturhauptstadt St. Pauli werden, ihre zentrale
Plattform, ihr Marktplatz und ihr Centre Court, von hier aus kann die Botschaft in die Welt
gehen. Die Kulturnutzungen am und auf dem Spielbudenplatz müssen deshalb gestärkt und
ihre Vielfalt ausgebaut werden. Und auch die Reeperbahn muss sich verändern: In zahlreichen
Häusern finden sich ab dem 1. Stock schlechte Wohnungen, hier könnten überall oberhalb der Erdgeschosse, Clubs, Galerien, Ateliers etc. entstehen, abseits des Stroms der Massen und doch mittendrin, zu günstigen Mieten, da die Wohnungen schlecht vermietbar
sind. Die Dichte muss weiter wachsen und es müssen Netzwerke entstehen. Ein Gründerzentrum für Filmwirtschaft auf dem ehemaligen Pestalozzi-Schulgelände, ein Straßenkünstler-Festival auf dem Spielbudenplatz, neue Akteure und neue Foren. Damit dies geschieht, müssen alle mitwirken, Behörden, Grundeigentümer und vor allem die Kreativszene und die St. Paulianer selbst. Politik konnte dazu beitragen, daß es einen Runden Tisch für die Clubszene gibt, Behörden Livemusikclubs unterstützen, der Beatles-Platz kommt, Club-Werbung erleichtert wird und an der Reeperbahn verlässlich positive Rahmenbedingungen für Clubbetreiber geschaffen werden sollen. So muß es weiter gehen.

*Andy Grote lebt auf St. Pauli und kandidiert
als Wahlkreiskandidat der SPD für die kommenden
Bürgerschaftswahlen.

Makrele Kleinanzeigen - 2. Ausgabe

Kostenlose Kleinanzeigen

*Die Makrele sucht eine Wohnung für ein Mitarbeiterpaar und Haushund "Lieschen" auf St.Pauli.
Zimmer 3-4, ab 75 qm, bis 1100,- inkl., courtagefrei.
Meldungen bitte an 
redaktion@makrele.org

*Die Makrele sucht Lagerraum. Möglichst in der Größe einer Garage.
Meldungen bitte an 
redaktion@makrele.org

*Die Makrele sucht Tauschfreudige.
Ihr habt etwas und braucht etwas? Ihr sammelt bestimmte Dinge und wisst, daß auch andere Sammler Euren Spleen teilen und evtl. genau das fehlende Stück zu Eurer Sammlung haben könnten? Sendet uns Eure Angebote, Gesuche, etc. einfach an
kleinanzeigen@makrele.org

*Die Makrele sucht Kaufberauschte, welche suchen und nicht finden können.
Was man im Laden nicht bekommt, steht oft unbeachtet in einer Ecke eines Anderen.
Versucht Euer Glück und sendet Eure Gesuche an 
kleinanzeigen@makrele.org

*Die Makrele sucht Verkaufsbesessene und solche, die gerade umziehen, ausmisten, geerbt
haben oder schlichtweg überflüssigen Kram zu Hause haben. Eure Angebote sendet bitte an
kleinanzeigen@makrele.org

*Die Makrele sucht Liebende, die es erst noch werden wollen.
Sendet uns Eure Kontaktwüsche. Wer weiß, vielleicht befindet sich unter unseren Lesern genau der/die Richtige!
kleinanzeigen@makrele.org

*Die Makrele sucht Umziehwillige.
Wir sind sicher, auch Vermieter lesen unser Blatt! Sendet Eure Gesuche bitte an
kleinanzeigen@makrele.org


Makrele spricht - 2. Ausgabe



Guten Tag
Jetzt haben wir erst die zweite Ausgabe und St.Pauli hat zwei Tote zu beklagen. Das betrübt
uns und hat seine Spuren in der Redaktion hinterlassen.

Wir freuen uns natürlich über die zweite Ausgabe der Makrele. Wir freuen uns über Eure Reaktionen, Anreize und Kritiken. Wir sind auch immer noch der Meinung, daß der Kiez mehr ist, als die Medienlandschaft momentan aus ihm macht. St.Pauli sollte sich nicht daran messen lassen, was sich feige, gewaltbereite Ausflügler hier so alles leisten.

Was für ein ereignisreicher Monat. Ich habe das Gefühl, diesen Monat war irgendwann so ziemlich jeder einmal krank. Trotzdem haben wir es irgendwie geschafft, unserem eigenen Anspruch gerecht zu werden und wieder für euch Portraits und Artikel zusammenzustellen, die St. Pauli als Kultur- und Lebensraum gerecht werden. Wir haben den Plan ergänzt und vermeintlich dunkle Gassen durchleuchtet, damit ihr euch auf St. Pauli besser orientieren könnt. Viele haben unsere Mitarbeiter mit Schals und dicken Pullovern bewaffnet durch die Straßen streifen sehen auf der Suche nach interessanten Menschen und Geschichten, mit Heften unter dem Arm zum Verteilen. Wir fühlten uns wie Eroberer oder Forscher, die Neuland entdecken, obwohl wir doch alle "unseren" Kiez kennen. Jeder hat eine Geschichte mitgebracht und ein Leuchten in den Augen. Wir möchten euch daran teilhaben lassen und gerne hätten wir auch von euch Geschichten, die eure Augen zum Leuchten gebracht haben, von oder über St. Pauli.

Freunde; wickelt Eure Schals enger und zieht Euch dicke Pullover an, es ist kalt und Weihnachten kommt schon bald.

Montag

MAKRELE hakt historisch nach - 2. Ausgabe

Ein Hotel, eine katholische Kirche an der Großen Freiheit und die Geschichte von St. Pauli

Ein Hotel mit dem Namen „St.Joseph Hotel“ in der Großen Freiheit, erregte vor knapp zwei Jahren die katholische Kirche in Hamburg, besonders die Gemeinde der Kirche St.Joseph. Wo? In der Großen Freiheit! Das Hotel wurde aufgefordert, die Führung des Namens „St.Joseph“ zu unterlassen.

Waren Namensrechte der Kirche verletzt worden, wurde der Ruf der Gemeinde beschädigt?

Nun, der Erzbischof sprach ein Machtwort. Seitdem führt das Hotel seinen nach der Kirche benannten Betrieb unbehelligt. Offensichtlich war man sich doch nicht so sicher, ob etwaige Namensrechte existieren.

Hier lohnt sich zudem ein Blick in die Geschichte – besonders in die st.paulianische und - last not least - in die der Großen Freiheit.

Kirchen als Ortsbezeichnung

Die Kirchengemeinden, Kirchspiele und damit die Kirchen haben in der Historie stets ihre Umgebung „namentlich“ geprägt. Historisch dienten Zusätze wie z.B. „St.Annen“ der Ortsbeschreibung. Es war üblich, ein Gewerbe mit derartigen Zusätzen auszustatten um zu zeigen, daß sich dieser Betrieb, dieses Haus, diese Straße in einem bestimmten Kirchspiel befindet. Beispiele: „Hotel St. Annen“ in der Annenstraße, St. Michaelis Schusterei, St. Raphael Hotel, St. Georg Hotel, St. Pauli Hotel, FC St. Pauli, St. Pauli Theater und schließlich der Stadtteil St. Pauli selbst.

Die „Große Freiheit“ hat ihren Namen bereits Anfang des 17. Jhdts. erhalten, genau genommen im Jahre 1610. Sie bezog sich auf die alte Grenze von der Hamburger Vorstadt „Hamburger Berg“ zur Stadt Altona.

Warum Große Freiheit?

Diese Nachbarstadt gewährte im Gegensatz zu Hamburg den dort lebenden Menschen, den unzünftigen Handwerkern und Glaubensgemeinschaften, eine Vielzahl bürgerlicher Freiheiten, z.B. die Berufsfreiheit und die Religionsfreiheit. Außerdem konnten Juden in Altona bedeutend leichter die Bürgerrechte erwerben. Daraus machte der Volksmund „Große Freiheit“ (In der Schweiz erhielten die Juden z.B. das Recht zur freien Wahl des Wohnortes erst Mitte des 19. Jhdts.).

Zu Hamburg gehört die „Große Freiheit“ erst seit Dezember 1938, als die Nationalsozialisten mit ihrer Groß-Hamburg-Lösung u.a. die Stadtteilgrenzen analog zu den Grenzen der NSDAP-Parteibezirke veränderten.

Der Name „St. Pauli“ entstand erst, als der Vorort das Recht erhielt, eine eigene Kirche zu bauen. Diese erhielt den Namen „St.Pauli“ und war von Anfang an protestantisch!

Am 27. März 1682 wurde der Grundstein für eine eigene Kirche gelegt. Schon 21 Wochen später stand das Gebäude. Nach etlichen Zerstörungen und Neuanfängen wurde 1819/20 die Kirche erneut aufgebaut. Das Gotteshaus wurde dem Heiligen Paulus geweiht.

1830 brodelte es in ganz Europa. So begehrten auch die Bewohner der Vorstadt St. Georg auf und forderten eine Erweiterung ihrer Rechte. Auch die Vorstadt Hamburger Berg profitierte davon; denn die Hamburger Bürgerschaft verabschiedete eine neue Ordnung, durch die die erbeingesessenen Bewohner von St. Georg und „St. Pauli“ zur Bürgerschaft zu-gelassen wurden.
Die Geburtsstunde von St.Pauli

Wirtschaftlich wurde die Vorstadt zwar von den Hamburgern weiter lieblos behandelt. Auch der Wunsch der Wirtsleute nach Aufhebung der Torsperre blieb ungehört. Aber 1833 erhielt die Vorstadt ihren eigenen Namen durch die Verfügung, daß

“die Vorstadt, bisher Hamburger Berg benannt, von nun an nach der dortigen Kirche St. Pauli zu benennen ist“.

Also dürften wohl z w e i Kirchen den heutigen Stadtteil St. Pauli geprägt haben: „St. Pauli“ und natürlich „St. Michaelis“.

Die stets mittelständisch geprägte Vorstadt mit ihren Handwerkern (Reeperbahn) erhielt jedoch nach und nach ein zusätzliches Gepräge durch Vergnügungsunternehmen.

Hamburg lagerte den Rauch der Dampfschiffe aus - in die Vorstadt

Es begann in etwa mit dem Beginn der Dampfschiffahrt. Die Hamburger wollten nämlich den mit diesen Schiffen verbunden Rauch nicht in ihrer Stadt haben und bauten in der Vorstadt die nach dieser benannten St. Pauli-Landungsbrücken. Nach heutigem Sprachgebrauch lagerten sie das Problem aus.

Die Gemeinde St. Joseph übrigens dürfte, nachdem Hamburg sich dem Protestantismus zugewandt hatte, den Erhalt ihrer Kirche dem Umstand verdanken, daß diese an der „Großen Freiheit“ lag, also historisch nicht in der Hamburger Vorstadt Hamburger Berg, später St. Pauli, sondern daß sie zu Altona gehörte. Die Grenze lag beim Nobistor. Das macht sich z.B. heute noch an der Postleitzahl bemerkbar: 22767 für Altona und nicht 20359 für St. Pauli.

Andernfalls hätte ihre Kirche (umgebaut 1721) möglicherweise das Schicksal des Hamburger Doms teilen müssen, der im Zusammenhang mit dem Reichsdeputationshauptschluß geschleift worden ist.

Schön, daß sich St.Joseph besonnen und offensichtlich historisch erkundigt hat.